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Anfang Auf keiner Landkarte verzeichnet und vom Rest der Welt vergessen liegt dieses kleine und unbedeutende Dorf versteckt in einem Tal der Baumberge, einer im Westen der ehemaligen Provinzialhauptstadt Münster gelegenen Hügellandschaft. Unbedeutend? Immerhin besitzt Lüttrup einen eigenen Bahnanschluss, für einen so abgeschiedenen Flecken beileibe keine Selbstverständlichkeit! Dieser Bahnanschluss ist untrennbar verbunden mit Anton Scheiermann, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts rühriger Unternehmer und Bürgermeister dieser kleine Gemeinde.

Eben dieser Anton Scheiermann, genannt Tönne, mochte sich überhaupt nicht damit abfinden, dass Lüttrup beim Bau der Baumbergebahn unberücksichtigt blieb!

Früh erkannte er den Nutzen einer Eisenbahnanbindung, um die vorwiegend landwirtschaftlichen Erzeugnisse Lüttrups auf die Märkte der kaufkräftigen Städte des Umlands zu bringen. Völlig uneigennützig war sein Ansinnen natürlich nicht, sollte die Bahn doch auch dem Abtransport des nicht nur regional begehrten Baumberger Sandsteins dienen, den er in seinem Steinbruch abbaute.

Mit der Hartnäckigkeit eines westfälischen Dickschädels verfolgte er sein Ziel ungeachtet aller Widrigkeiten und so lief tatsächlich im Herbst des Jahres 1923 der erste Zug in den Bahnhof Lüttrup ein!

Den 2. Weltkrieg überstand die Bahn nahezu unbeschädigt, dem aufkommenden Straßenverkehr war sie jedoch nicht gewachsen. Zu Beginn der 1960er Jahre wurde der Betrieb eingestellt und mittlerweile ist sogar das Dorf Lüttrup spurlos im Nebel der Geschichte verschwunden. Das alles erlebte Tönne Scheiermann zum Glück nicht mehr, 1949 blieb seine Lebensuhr nach 80 erfüllten Jahren stehen. Ende

© 2017 - Olaf Lüttmann, letzte Änderung: 23.02.2017